Medizinische Fachleute – darunter fast 4.000 Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsberater und Apotheker – fordern in einem gemeinsamen offenen Schreiben die Einführung einer Abgabe auf Getränke mit hohem Zuckergehalt. Sie warnen vor dem rasanten Anstieg von Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Fettleber und Karies bei Heranwachsenden sowie vor den jährlich steigenden Ausgaben in Milliardenhöhe. Gesundheits- und Familienministerin unterstützen das Vorhaben, jetzt ist der Finanzminister gefragt, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten. Bundesrat und Länderkammer prüfen Antrag.
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Appell an Regierung für Prävention durch Zuckersteuer auf Getränke
Über 3.900 Ärztinnen und Ärzte sowie mehr als 1.000 Fachleute aus den Bereichen Ernährungsberatung, Diabetesbetreuung und Apothekenwesen haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an die Bundesregierung gewandt. Sie weisen auf den dramatischen Anstieg von kindlicher Übergewichtsproblematik und Adipositas, früh einsetzende Stoffwechselstörungen, Typ-2-Diabetes, Fettlebererkrankungen und Zahnkaries hin. Die daraus resultierenden Mehrkosten im Gesundheitssystem summieren sich jährlich auf mehrere Milliarden Euro. Sofortige Präventionsmaßnahmen werden als dringend unverzichtbar eingestuft.
Bundesgesundheitsministerin hält Zuckersteuer für sinnvoll, Finanzminister bleibt weiterhin untätig
Bundesgesundheitsministerin Warken befürwortet die Einführung einer Zuckersteuer auf stark zuckerhaltige Getränke, um ernährungsbedingte Krankheiten zu verhindern und langfristig Kosten im Gesundheitssektor zu reduzieren. Familienministerin Prien begrüßt diesen Vorstoß und betont den gesundheitlichen Nutzen für die Bevölkerung. Die federführende Verantwortung liegt beim Bundesfinanzministerium unter Lars Klingbeil, der bisher keinen formellen Gesetzentwurf vorgelegt hat. Parallel dazu berät der Bundesrat über einen Antrag Schleswig-Holsteins. Ein valides Konzept steht noch nicht zur Debatte öffentlich.
Finanzminister Klingbeil soll nun endlich konkreten Zuckersteuer-Plan zügig vorlegen
Fast 4.000 Mediziner und über 1.000 Fachkräfte aus Apotheken, Ernährungs- und Diabetesberatung fordern eine Steuer auf stark zuckerhaltige Erfrischungsgetränke. Sie verweisen auf wachsende Adipositas- und Diabetesraten bei Kindern sowie auf Milliardenkosten für das Gesundheitssystem. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil soll zeitnah ein Steuermodell vorlegen, das aus Sicht der Fachwelt dringend erforderlich ist, um mit präventiven Maßnahmen die öffentliche Gesundheit zu fördern und Kinder langfristig zu schützen sowie Folgekosten effektiv, nachhaltig zu reduzieren.
Angebot beeinflusst Konsum: Verbraucherzentrale fordert nun Zuckersteuer auf Süßgetränke
Ramona Pop vom Verbraucherzentrale Bundesverband plädiert für die Einführung einer zusätzlichen Steuer auf Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken, um präventiv gegen ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten vorzugehen. Sie verweist auf den direkten Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage und betont, dass eine solche Abgabe das Ausmaß des Konsums reduzieren kann. Langfristig werde damit nicht nur das Gesundheitssystem entlastet, sondern auch Hersteller gezwungen, innovative Reformulierungen mit weniger Zucker zu entwickeln. Konsumenten treffen so zukünftig häufiger bewusstere Auswahlentscheidungen.
DANK und DDG fordern konsequente Prävention durch Zuckersteuer sofort
Die Fachverbände, vertreten durch die Sprecherin des Wissenschaftsbündnisses DANK und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft, schildern die alarmierende Zunahme ernährungsbedingter Leiden in der Praxis. Sie kritisiert, dass das Gesundheitssystem bislang vor allem symptomorientiert arbeite und notwendige präventive Strategien vernachlässige. Eine Zuckersteuer auf zuckerreiche Getränke biete dagegen einen einfachen Mechanismus, um die Bevölkerung zur Reduktion ihres Zuckerkonsums zu motivieren. Dieser Schritt gelte als überfälliges Signal für eine nachhaltige und effektive Präventionspolitik.
Luise Molling kritisiert Industrieversprechen und drängt auf echte Gesundheitspolitik
Die foodwatch-Expertin Luise Molling warnt eindringlich vor der Rolle der Zuckerlobby, die in Deutschland Entscheidenden Einfluss auf gesundheitspolitische Entscheidungen ausübt. Im internationalen Vergleich ergäbe sich ein klares Bild: Kein anderes Land vernachlässige Präventionsmaßnahmen gegen ernährungsbedingte Krankheiten so stark wie die Bundesrepublik. Molling verlangt deshalb, dass die Bundesregierung endlich konkrete Schritte unternimmt, um Verbraucher zu schützen, etwa durch strengere Regulierungen und transparente Kennzeichnungspflichten für zuckerhaltige Produkte.
Bundesärztekammerpräsident Reinhardt und Eckart Hirschhausen unterschreiben heutigen Präventionsappell gemeinsam
Unter den Unterzeichner finden sich führende Medizinerinnen und Mediziner wie Dr. med. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer; Dr. Eckart von Hirschhausen, Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen; Dr. med. Susanne Johna vom Marburger Bund; Prof. Dr. Berthold Koletzko, Stiftung Kindergesundheit; Prof. Dr. Julia Szendrödi von der Deutschen Diabetes Gesellschaft; PD Dr. Burkhard Rodeck, DGKJ; sowie Christine Neumann-Grutzeck vom BDI. Initiiert und unterstützt wird der Appell durch DANK, foodwatch und den Verbraucherzentrale Bundesverband.
Durch eine gezielte Besteuerung von stark zuckerhaltigen Getränken ließe sich nicht nur der Zuckerkonsum signifikant senken, sondern ebenso das Bewusstsein für gesunde Ernährung in der Bevölkerung schärfen. Staatliche Einnahmen würden steigen, während die Ausgaben im Gesundheitswesen sinken. Zugleich würde die Getränkeindustrie angeregt, Produkte mit reduziertem Zuckergehalt zu entwickeln. Besonders Kinder könnten dadurch einen gesünderen Lebensstil erlernen und langfristig weniger anfällig für ernährungsbedingte Krankheiten sein. Die Maßnahme stärkt nachhaltig die Volksgesundheit.

